Jugendkanal 2014

Das Pressenetzwerk für Jugendthemen e. V. (PNJ) begrüßt die Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz, ARD und ZDF mit dem Aufbau eines Jugendangebots zu beauftragen. Dass der „Jugendkanal“ nun doch nicht als trimediales Angebot in Online, Fernsehen und Radio, sondern als reiner Internet-Ausspielweg daherkommt, ist nach Ansicht des PNJ für die Anstalten zwar bedauerlich und in Sachen verknüpfter Ausspielwege und Daseinsrechtfertigung („Fernsehen? Guck ich nicht!“) eine vertane Gelegenheit, bietet aber dennoch eine besondere Chance: Die eher vagen Formulierungen, die den Auftrag der Ministerpräsidentenrunde an die öffentlich-rechtlichen  Anstalten festschreiben, schaffen größtmögliche Freiräume und Experimentierfelder. Hier zeigt sich eine Chance für ARD und ZDF, neu anzusetzen, kreative Köpfe an die Arbeit zu schicken und das, was das bisherige eher profillos klingende trimediale Konzept ausgemacht hat, mit deutlich definiertem Eigen-Leben zu füllen. Die Anstalten haben einiges aufzuholen, was ihnen die privaten Internet-Formate voraus haben – für das neue Jugendangebot werden „freshe“, informative, schnelle, jugendgerechte Konzepte gebraucht, mit denen die Öffentlich-Rechtlichen ihren Platz bei der bisher völlig unterrepräsentierten Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen erobern und behaupten können.

 

Die 45 Millionen Euro, die die Ministerpräsidentenrunde als Obergrenze zur Verfügung genannt hat, wird für das neue Angebot ganz sicher nicht zur Verfügung stehen - schon allein deshalb, weil Eins Festival weiterhin sendet und dafür weiterhin Gebührengelder aufgewendet werden. Trotzdem dürfte das neue Angebot finanziell besser aufgestellt sein als jede mögliche Initiative eines privaten Trägers. Der Erwartungsdruck ist hoch. Das PNJ hofft, dass die offenen Fragen – etwa Rechte- und Kostenfragen beim Einsatz von Musikstücken – schnell geklärt werden und sich ARD und ZDF rascher als bisher gewohnt über das Wie und vor allem das Wo einigen. Dabei muss sich der SWR erst entscheiden, ob er – nach der Ablehnung des ursprünglich vorgesehenen trimedialen Konzepts durch die Länderchefinnen und –chefs – weiterhin die Federführung über den Auftrag wahrnehmen möchte und, wenn ja, wie die bisher geschaffene Infrastruktur in das neue Angebot überführt werden kann. Man darf gespannt sein, wie die traditionell linear aufgestellten öffentlich-rechtlichen Anstalten mit der klaren Aussage der Politik umgehen, ihr Jugendangebot auf ein digitales Angebot zu begrenzen und nur in Ausnahmefällen mit Hörfunk  und Fernsehen zu verknüpfen.