Erfahrungsbericht Finnland

Film zum Programm 2014 in Berlin

Im November 2014 waren wir eine Woche lang mit fünf finnischen KollegInnen in Berlin unterwegs, um uns über Partizipationsmöglichkeiten junger Menschen zu informieren. Unser Kollege Juha Kinanen nutzte die Gelegenheit, einen ausführlichen Film über das Programm und über den deutsch-finnischen Fachkräfteaustausch zu drehen. Das 50-minütige Ergebnis ist hier zu sehen.

 

Sechs Tage lang war eine dreiköpfige PNJ-Gruppe im November 2013 in Helsinki unterwegs, um sich über das Thema „freiwilliges und ehrenamtliches Engagement junger Menschen in Finnland“ zu informieren. Einen besonders interessanten Aspekt zum Tag des Ehrenamts haben die Kolleginnen Annette Walter und Veronika Beer multi-medial in einem Beitrag für den Bayerischen Rundfunk heraus gearbeitet. Aber auch der Bericht, den alle drei Teilnehmenden im Anschluss an die Reise für uns für das BMFSFJ zusammengestellt haben, wirft ein Licht auf viele interessante Aspekte des Schwerpunktthemas. Hier einige Auszüge.

Die Projektwoche beginnt direkt nach der Ankunft am Montagnachmittag in den Räumen von Allianssi mit einer Einführung und Hintergrundinformationen über die Organisation. Sie erfolgt durch den Leiter für Recht und internationale Angelegenheiten, Jarko Lehikoinen. Im Anschluss sprechen wir mit zwei jungen Frauen, die beide ehrenamtlich tätig sind.

 

Hannele Tulkki ist 22 Jahre alt und trägt seit Sommer 2013 den Titel „Finnische Klima-Jugendbeauftragte“. Ihr Ziel ist hoch gesteckt: Sie will den Jugendlichen im Land mehr Wissen über Umweltthemen und im Speziellen über den Klimawandel vermitteln, um bis zum Jahr 2050 ein grundsätzliches Umdenken in der Gesellschaft zu bewirken. Die Politikstudentin aus Miehikkälä, einer kleinen Gemeinde im Südosten Finnlands, fordert dabei viel von sich, aber auch von ihren Altersgenossen: Der Jugend bleibt in ihren Augen gar nichts anderes übrig, als sich aktiv am immer relevanter werdenden Thema Umweltschutz zu beteiligen: „Im Eck sitzen und zusehen, was die Erwachsenen entscheiden – dieses Schema müssen wir endlich durchbrechen.“

Für diese Philosophie hat Hannele Tulkki ihr Studium momentan auf Eis gelegt – zu viel Zeit fließt in ihre Vorträge an Schulen, auf Klimagipfeln oder in Jugendzentren. Ihrer Motivation tut dies bislang keinen Abbruch: „Mein Auftrag ist zeitlich begrenzt auf ein Jahr. Danach habe ich auch wieder Zeit für Sport, meine Freunde - für mich.“ Kommenden Sommer soll es erst einmal für ein Austauschsemester nach Südafrika gehen, um den persönlichen Horizont zu weiten. Doch auch ihr selbst bringt die ehrenamtliche Tätigkeit viel: „Ich bin mir jetzt viel klarer über meine beruflichen Ziele. Ich will mein Leben definitiv dem Umweltschutz widmen.“

 

Nicht minder engagiert und nur unwesentlich älter ist Tytti Matsinen (26). Sie ist drei Autostunden nördlich der Hauptstadt aufgewachsen und hat an der Universität von Tampere Geologie und Produktionswirtschaft studiert, derzeit absolviert sie ein Aufbaustudium in Theologie mit dem Schwerpunkt Entwicklungsstudien. Die finnische Jugendbeauftragte ist für ihre Mission überall auf der Welt unterwegs. Anfang November 2013 kam sie von einem Auftritt vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York zurück, wo sie sich für Gleichberechtigung der Geschlechter, Menschenrechte und Entwicklungsarbeit stark gemacht hat. Sie selbst beschreibt sich als Enthusiastin und Idealistin, die sich immer wieder aufs Neue als Minimalistin versucht.

 

Seit mittlerweile zehn Jahren arbeitet die junge Finnin unentgeltlich für Jugendorganisationen. 13 Monate lang war sie etwa in Nordirland für ein Friedensbündnis tätig. Ein weiterer Schwerpunkt ihres Engagements ist die Chancengleichheit behinderter junger Menschen; die Finnin ist unter anderem Projektleiterin in der „Finnish Disabled People's International Development Association“. Diese Arbeit ist geprägt von eigenen Erfahrungen: Tytti Matsinen ist annähernd blind.

 

Warum opfert sie quasi die komplette Freizeit der Gesellschaft? „Jugendarbeit liegt mir sehr am Herzen - für mich ist sie der Schlüssel zu allem Wandel.“ Deshalb müssten sich auch noch viel mehr junge Menschen in den westlichen Ländern einbringen, Verantwortung übernehmen und selbst Entscheidungen treffen, statt sich unzufrieden zurückzulehnen: „Das sind wir unserer Gesellschaft und uns schuldig.

 

Wir besuchen mit Kirsi Alasaari von Allianssi das Zentrum „Elvis“, in dem Menschen mit psychischen Problemen, Schizophrenie oder einer bipolaren Störung Hilfe finden können. Sie werden hier etwa musik- oder ergotherapeutisch behandelt. Dabei unterstützen die Mitarbeiter auch junge Ehrenamtliche. Ziel ist, durch verschiedene Projekte die (Re-)Integration der Teilnehmer in  die finnische Gesellschaft zu fördern.

Markus Raivio, der zusammen mit einem Kollegen als Musiktherapeut bei „Elvis“ tätig ist und gleichzeitig Leiter des Projektes, erläutert sehr anschaulich die Arbeit der Einrichtung. Das Zentrum, das komplett von der Stadt Helsinki finanziert wird, befindet sich am Rand des Stadtzentrums und wurde 2009 gegründet. Es ist die einzige Einrichtung dieser Art in der finnischen Hauptstadt – doch das soll nicht so bleiben, wenn es nach Markus Raivio geht: "Wir brauchen mehr solcher Zentren. Und solche Zentren würden übrigens auch Deutschland gut tun."

 

Der große Bedarf an einem derartigen Zentrum zeigt sich laut dem Musiktherapeuten unter anderem darin, dass bereits 130 Frauen und Männer auf der Warteliste für einen Platz im „Elvis“ stehen. Die Menschen, die bereits jetzt regelmäßig in die Einrichtung kommen - "die Zeiten können sie sich selbst ganz flexibel einteilen", so Markus - sind zwischen 18 und 35 Jahre alt. Doch was ist das Besondere an diesem Projekt? Markus Raivio erklärt, dass es auf dem neuartigen GFP-Modell („Guided Functional Peer Support“) basiert, bei dem die Teilnehmer selbst in kleinen Gruppen und unter Aufsicht ihre kreativen Aktivitäten (Musik, Spiel, Gespräch, Sport etc.) leiten. So sollen sie Verantwortung unter Gleichgestellten übernehmen. Vorrangiges Ziel ist es, die jungen Erwachsenen auf den Weg zu bringen, ihr Leben aktiv zu steuern und dabei mit dem sozialen Umfeld zu interagieren – möglichst, um (wieder) einen Beruf zu ergreifen. Markus Raivio betont: "Uns ist die Integration unserer Patienten in die normale Gesellschaft wichtig."

Mit einem großen Jugendzentrum ganz in der Nähe, das auch einen Radiosender unterhält, wird gern und eng kooperiert, wie der Finne erläutert. "Viele Hilfesuchende kommen zu uns aus Polikliniken. Sie suchen bei uns Unterstützung, weil sie nicht allein sein wollen", erklärt der 40-Jährige. Der Musiktherapeut glaubt, dass soziale Phobien seit etwa zehn Jahren ein großes Probleme der finnischen Gesellschaft sind und es rund 350.000 junge Frauen und Männer gibt, die sich daheim verschanzen und keiner geregelten Arbeit bzw. einem Studium nachgehen können, weil sie unter psychischen Problemen leiden. Angesichts der nur 5,4 Millionen Finnen eine extrem hohe Zahl – jeder 15. Finne wäre es, der sich dauerhaft zurückzieht und sich für die Öffentlichkeit „unsichtbar“ macht, weil er mit eben dieser Gesellschaft nicht klar kommt.

 

Allerdings ist Markus auch der Ansicht, dass diese Phobien mittlerweile auch in anderen Ländern wie Großbritannien und Italien weit verbreitet sind und das Phänomen in den meisten Ländern schlichtweg weniger bekannt ist. Nach seiner Erfahrung ist der Frühling die schlimmste Zeit für Menschen mit Depressionen. Die Krankenhäuser seien in dieser Jahreszeit überfüllt, weil draußen das Leben losgeht, während man selbst gefühlt nicht daran teilhaben kann. Einer der Patienten im Zentrum ist Rikku Turpeinen, der vor einigen Jahren unter psychischen Problemen gelitten hat, wie er erzählt. Mit Hilfe der Menschen im Zentrum hat er inzwischen gelernt, wie er sie in den Griff bekommt. Dabei hilft auch die Musik. Er schreibt viele Songtexte selbst, manche in Zusammenarbeit mit Markus Raivio, covert zudem mit großer Freude Lieder von Elvis Presley und gibt davon an diesem Tag auch mehrere Kostproben.

 

Im Zentrum Elvis gibt es auch Rückzugsbereiche für den Fall, dass den Besuchern die Anwesenheit der Anderen plötzlich über den Kopf wächst. Dort können sie unter anderem in Massagestühlen Musik hören, bis sie bereit sind zurückzukommen. Wem mehr nach sportlicher Aktivität ist und wer Erfolgserlebnisse braucht, für den gibt es einen großen Fitnessraum mit etlichen Geräten.

 

Wir besuchen am Morgen gemeinsam mit Asmo Koste das finnische Arbeits- und Wirtschaftsministerium in der Innenstadt von Helsinki. Dort erläutert der für Planung und Entwicklung zuständige Janne Savoleinen, das Modell der erst in diesem Jahr eingeführten „Youth Guarantee“, einem speziellen Programm für arbeitslose Finnen im Alter von bis zu 29 Jahren. Es ist das erheblich erweiterte Nachfolge-Modell der so genannten „Social Guarantee“, die seit 2005 in Finnland bestand. Inhalt des neuen Modells „Youth Guarantee“ ist, dass allen jungen Arbeitssuchenden binnen drei Monaten ein Job, eine Weiterbildung oder ein anderer Kurs von staatlicher Seite angeboten werden muss.

 

Einen entsprechenden Plan dazu erarbeiten die Vermittler gemeinsam mit den Arbeitssuchenden. Laut Janne Savoleinen gibt es im Moment in Finnland rund 40 000 gemeldete Arbeitslose im Alter von bis zu 29 Jahren, dazu kommen etwa 120 000 Menschen zwischen 20 und 29 Jahren, die nur einen Hauptschulabschluss haben. „Und das, obwohl wir laut PISA-Resultaten eines der besten Bildungssysteme in der Welt haben. Da müssen wir einfach mehr tun als bisher“, so Janne Savoleinen.

 

Im Vorfeld habe es durchaus Debatten um das Programm gegeben. Dabei ging es vor allem um die Finanzierung – die Regierung stellt 60 Millionen Euro jährlich zur Verfügung, dazu kommen allein in diesem Jahr weitere 27 Millionen Euro für Kursprogramme – außerdem sei die Frage nach der Eigenverantwortung der jungen Leute diskutiert worden. Im Endeffekt sei die „Youth Guarantee“ aber durchaus breiter politischer Konsens. Zunächst ist es bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode beschlossen, eine Verlängerung gilt als wahrscheinlich.

 

Aktuell nehmen etwa 40 000 Menschen an freiwilligen Projekten innerhalb des Modells teil. Janne Savoleinen: „Es gibt aber noch einmal 40 000 Menschen im gleichen Alter ohne Job, von denen wir nicht wissen, was sie genau machen. Das ist die eigentlich schwierige Gruppe, die wir erreichen wollen. Unsere Vermittler versuchen sie anzusprechen, per Telefon, E-Mail oder sogar Besuch an der Haustür.“

 

Auf die Frage, ob das Modell auch auf andere EU-Staaten sinnvoll wäre, antwortet Janne Savoleinen eher zurückhaltend. Um es einfach auf andere Länder zu übertragen, dazu sei Europa zu unterschiedlich. Die Übernahme zumindest einzelner Elemente könne aber durchaus erfolgversprechend sein. Gut zehn Monate nach der Einführung sei es für ein Zwischenfazit für das Modell noch zu früh, dies könne erst im nächsten Jahr erfolgen. Janne Savoleinen zeigt sich aber zum Abschluss optimistisch, dass „Youth Guarantee“ langfristig positive Ergebnisse aufweist.

 

Nach dem Aufenthalt im Ministerium sind wir am Mittag zu Gast bei einer Tagung der Universität Helsinki zu Jugendfragen. Ein Großteil der Vorträge und Kurse findet in finnischer Sprache statt, wir nehmen am in englischer Sprache gehaltenen Referat von Guy Standing, Professor im Fach Entwicklungsstudien an der Universität London, teil. Darin geht er auf die Gefahren eines bisher unbekannten Prekariats in der europäischen Gesellschaft ein. Für Standing bildet sich seit einigen Jahren diese Gruppierung heraus: Zahlreiche Erwerbstätige stehen demnach heute in unsicheren oder schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnissen. Die Ausrichtung auf den Beruf in einem wettbewerbsorientierten Umfeld kann für die Beteiligten unter Umständen (etwa wirtschaftliche Krisen oder auch eigene Krankheit) eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Dies kann zu sozialer Isolation, Unzufriedenheit und andauernder Abhängigkeit von staatlichen Leistungen führen – und zur Zugehörigkeit der definierten „Prekariats“-Gruppe.

 

Besonders gefährdet sind laut Standing junge Menschen ohne ausreichende Bildung sowie Minderheiten, etwa Migranten. Aber auch bei Hochschulabsolventen sieht der Autor des Buchs „The Precariat. The new dangerous class.“ ein verstärktes Risikopotenzial. Folgen sind laut Standing das Aufbegehren gegen die bestehenden, demokratische Systeme und das Erstarken extremer Parteien. Er fordert, eine grundlegende Bewusstseinsänderung: Arbeit dürfe nicht nur nach marktwirtschaftlichen Faktoren beurteilt werden, auch emotionale und soziale Aspekte müssten zusätzlich Platz haben. Die Menschen in den Industrieländern sollten sich stärker ihre Gemeinsamkeiten bewusst machen. Und er plädiert für die Einführung eines „basis income“, eines pauschal gezahlten Grundeinkommens für jeden Einwohner eines Landes – quasi um eine gleiche Ausgangsgrundlage zu schaffen.

 

In der anschließenden Diskussion erhält Guy Standing von den Anwesenden überwiegend Zustimmung. Die angesprochenen Verhältnisse gebe es auch in Finnland, sagt etwa Feva Jokinen von der University of Eastern Finland. Sie verweist auf die ansteigende Zahl an Jugendarbeitslosen – im Moment liegt sie bei etwa 12 Prozent. Am Abend des Tages treffen wir mit zwei finnischen Journalisten zusammen. Sie haben in der Vergangenheit an ähnlichen Programmen teilgenommen und berichten darüber sowie über ihre Erfahrungen mit ehrenamtlicher Jugendarbeit und den in Finnland offenbar recht weit fortgeschrittenen Bemühungen um Gleichstellung der Geschlechter.

 

Am Vormittag berichtet Mari Ahonen-Walker von ihrer Arbeit für Vattakunnallinen työpajayhdistys ry. Diese Organisationen ist im gleichen Gebäude wie Alliaanssi mit 16 Personen tätig, verfügt aber auch über Mitarbeiter, die im ganzen Land Workshops zu Themen wie Kochen, Medien, Holzarbeiten oder Reparatur für jungen Frauen und Männer anbieten. Die Zielgruppe sind also junge Menschen, die Probleme haben, sich in Schule, Studium oder Ausbildung zu integrieren und auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Aufgabe dieser Coaches sei es, Fähigkeiten, die in der Schule unentdeckt blieben, zu aktivieren und fördern. 21.000 Klienten betreut die Organisation pro Jahr, wovon der Großteil, nämlich 145.000, unter 29 Jahren seien.

 

Ahonen-Walker erläutert zudem, dass die Berufsschule in Finnland generell sehr populär sei, es aber ohne einen erfolgreichen absolvierten Abschluss einer solchen Institutionen für junge Menschen höchst schwierig sei, einen dauerhaften Platz auf dem finnischen Arbeitsmarkt zu finden.

 

Am Nachmittag treffen wir den Wissenschaftler Tomi Kiilakoski. Er lebt in Oulu, ist Erziehungswissenschaftler, hat

aber auch sechs Jahre lang in Tampere und Nordfinnland die Fächer Psychologie und Philosophie an einer Gesamtschule unterrichtet und zwar speziell Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten im Unter-richt hatten. Er arbeitet für das Netzwerk Nuorisotutkumusverkoston, dessen Arbeitskultur er sehr positiv bewertet, da sie ihm viel Freiraum biete und seine Arbeit nicht nur vom Streben nach Effizienz geprägt sei.

Er berichtet von einer Studie, die er zuletzt veröffentlicht hat, und für die 2.000 junge Menschen in Finnland telefonisch befragt wurden. Einer der Befunde dieser Befragung: Die jungen Frauen und Männer äußerten, sehr großes Vertrauen in die finnische Gesellschaft und politischen Institutionen zu besitzen. Dieses Vertrauen rühre auch daher, dass es einem Großteil der jungen Menschen, so Kiilakoski, gut ginge, was seiner Meinung nach daran liegt, dass Finnland ein sehr reiches Land sei. Dennoch sei bedenklich, dass es auch eine Gruppe benachteiligter Jugendlicher gebe.

 

Daraus resultiert, dass die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen mit zwölf Prozent höher liegt als die Gesamtarbeitslosigkeit von etwa acht Prozent. Zudem kommt, dass die Zahl der Migranten in Finnland steigt. Mit einem Anteil von derzeit gut  drei Prozent an der Gesamtbevölkerung ist sie zwar noch vergleichsweise gering, innerhalb der Gruppe der Migranten ist die Arbeitslosigkeit aber besonders ausgeprägt. Ihre Integration gilt für das bisher als Einwanderungsland eher wenig gefragte Finnland als große Herausforderung.

 

Der Erziehungswissenschaftler Tomi Kiilakoski berichtet weiter, dass in Finnland die meisten jungen Leute mit etwa 20 Jahren zu Hause ausziehen. Der Staat würde die Unabhängigkeit von den Eltern auch finanziell aktiv unterstützen. Er bedauert allerdings, dass es in Finnland sehr schwer ist, junge Menschen für politisches Engagement zu mobilisieren, da viele dafür keine dringende Notwendigkeit sehen würden.

 

Kiilakoski erläutert zudem das kontinuierlich gute Abschneiden finnischer Schülerinnen und Schüler bei der Pisa-Studie. Dies liege daran, dass in Finnland sowohl in den großen Städten als auch auf dem Land überall ein sehr hohes Niveau des Unterrichts garantiert sei. Die funktionierende Integration, das vorbildliche Gender Mainstreaming, die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit sowie der vergleichsweise einfache Zugang zu Bildung wäre in seinem Land die Antwort auf sämtliche sozialen Probleme.

 

Am Vormittag fahren wir mit Asmo Koste ins Rathaus der Stadt Helsinki. Dort findet an diesem Tag die sogenannte RuutiExpo, eine Zusammenkunft von Schülern aus Helsinki und Umgebung statt. Das gesamte Rathaus steht dafür einen Tag lang den Schülern zur Verfügung. Veranstalter ist die Stadt Helsinki, mehr als 4.000 Schüler ab zehn Jahren sind der Einladung des Oberbürgermeisters gefolgt. Für uns interessant: Im Rahmen der RuutiExpo stellen sich auch zahlreiche ehrenamtlich arbeitende Jugendorganisationen Finnlands vor. Sie berichten hier über ihre Aufgaben und werben um aktive Mitarbeit bei den Kindern und Jugendlichen.

Ihre Stände sind auf drei verschiedenen Etagen aufgebaut. Dazwischen gibt es Runde Tische, Filmvorführungen und Seminare. Konferenzen werden per Live-Screen auf entsprechende Internetseiten übertragen. Themen wie Mitbestimmung, Integration von jungen Migranten oder das finnische Staatssystem werden teilweise spielerisch vermittelt. Aber auch Sommerjobs, der Zustand der öffentlichen Bibliotheken, die Gender Mainstreaming oder der Nahverkehr in der Hauptstadt spielen eine Rolle. Helsinkis Oberbürgermeister, Jussi Pajunen, beteiligte sich selbst an mehreren Debatten der Schüler.

 

Uns erklären die Sozialarbeiterin Katri Kaivimo und die Projektplanerin Inari Penttilä die Mitbestimmungsmöglichkeiten für Jugendliche bei den Haushaltsplanungen der Hauptstadt. Im mehr als zehn Millionen Euro umfassenden Budget – mehr als 70 Prozent davon entfallen auf Personalkosten – für die insgesamt elf „Youth Departments“ Helsinkis sind seit diesem Jahr zwei Prozent flexibel für Wunschprojekte der Jugendlichen einsetzbar.

 

Bei der RuutiExpo nehmen viele der Schüler nun an einem überdimensionalen Monopoly-Spiel teil. Dabei notieren sie auch ihre persönlichen Wünsche für den Einsatz der Gelder in der Stadt. Die Sozialarbeiter haben dafür eine Reihe von Vorschlägen vorbereitet – etwa einen neue Skatebahn, Änderungen am Fahrplan der Straßenbahn oder auch den Aufbau eines Computerklubs. Ziel ist es laut Inari Penttilä, „die Arbeit mit den Jugendlichen stärker gemeinsam zu planen.“ Die bisherigen Erfahrungen seien durchweg positiv, berichtet sie: „Die jungen Leute sind clever. Sie nutzen die Entscheidungsgewalt für ganz vernünftige Dinge.“

 

In den Folgetagen wollen die Sozialarbeiter die Ergebnisse der RuutiExpo auswerten. Dann werde auch überlegt, wie bestimmte Wünsche realisiert werden könnten. Das müsste nicht in jedem Fall mit Mehrkosten verbunden sein. So zeichne sich ab, dass sich viele Teilnehmer der RuutiExpo wünschen, dass Jugendzentren abends und an Wochenenden geöffnet würden. Eventuell sei das über Arbeitszeitverlagerungen der Mitarbeiter sowie die stärkere Einbindung ehrenamtlicher Organisationen möglich.

 

Über künstlerische Graffitis an Bus- und Straßenbahnhaltestellen spricht auf der RuutiExpo Mikko Pääkölä. Der 23-Jährige ist Teilnehmer an einem Workshop innerhalb des neuen finnischen Modells der „Youth Guarantee“. Seit zwei Monaten lernt er in einem Grafikdesign-Projekt im Stadtteil „Arabia“. Dabei werden vornehmlich Printmagazine erstellt, außerdem lernen die Teilnehmer, wie kleine Filme, etwas Musikvideos gedreht werden und erstellen Radioinhalte. Den Workshop begonnen habe Mikko Päälöka, weil er nach seinem Zivildienst  weder Ausbildungsplatz noch Job gefunden. Generell gelte der Berufseinstieg in Finnland als sehr schwierig, sagt er. Der ehramtliche Workshop sei ihm von seinem Arbeitsvermittler empfohlen worden, wahrscheinlich könne er im Anschluss daran eine Ausbildung bei einer im gleichen Gebäude untergebrachten Firma machen. Deshalb sei zumindest für ihn das „Youth Guarantee“-Programm sehr hilfreich gewesen.

Veronika Beer, Annette Walter, Michael Nowak

2011, die Weltwirtschaftskreise ist auf dem Höhepunkt. In den nordafrikanischen Staaten stürzen junge Rebellen ihre Despoten. In Europa, Israel und Amerika gehen junge Menschen - viele von ihren gut ausgebildet und dennoch ohne Hoffnung auf Jobs, Eigenständigkeit, Perspektiven - auf die Strassen und fordern, die Macht der Banken zu brechen und die Sozialsysteme zu reformieren. Das PNJ fährt zu einer Informationsreise nach Finnland, um zu sehen, wie dort junge Menschen den Weg ins Arbeitsleben finden.

Mit den Händen schuften


Junge Finnen haben es nicht leicht: Trotz guter Bildung fallen einige durchs Raster. Sommerjobs im Freizeitpark, Arbeiten mit Holz und eine Autowerkstatt helfen.

von Caspar Tobias Schlenk

 

Seine Augen zucken bei jedem Schuss aus der Tacker-Pistole. Jesse Alfred Cecil, 17, restauriert mit einem Lehrer und vier Gleichaltrigen eine Wohnung am Rand von Helsinki. Gerade tackern sie Bretter unter der Decke fest. Abwechselt dürfen sie mit der Pistole ran. Die Pistole zu halten ist nicht einfach: Jesse muss seine Finger ordnen, denn die Sicherheitsknöpfe müssen gedrückt bleiben. Nur ein paar hundert Meter entfernt sitzen vier weitere Jugendliche und schnitzen an einem Buttermesser – es ist ihr erstes Stück in der Werkstatt „WooDoo“ und sie dürfen es behalten. Die Halle ist voll mit Holzstühlen, einer großen Holztreppe, die quer über dem Boden liegt und einem Marterpfahl – bunt bemalt.

 

Die „WooDoo“-Werkstatt kümmert sich um Jugendliche, die durch das Raster des finnschen Bildungssystems gefallen sind. Denn der Bildungsprimus Finnland hat Probleme: Alle Schüler beenden zwar die neunte Klasse, aber danach ist für manche Schluss. Sie bekommen mit ihren Abschlüssen nicht immer einen Platz in der weiterführenden Schule oder haben gesundheitliche Probleme. Workshops wie WooDoo sollen den Jugendlichen vor allem Selbstvertrauen geben und sie danach ins Bildungssystem zurückbringen. Ohne gute Ausbildung haben junge Finnen wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

 

„Ich wollte etwas mit meinen Händen machen“, erklärt Jesse, der aus Kenia stammt und seit einigen Jahren in Finnland lebt. Und so kam er zu Jyrki Tolvanen, dem bulligen Meister von „WooDoo“. Tolvanen war in seinem früheren Leben Bootsbauer. Er ist für die Jungen und die wenigen Mädchen so etwas wie Vater und Freund. „Wir müssen diesen Jugendlichen zeigen, dass jeder seine Stärken hat“, sagt Tolvanen. Zusammen schnitzen sie in den sechs Monaten Workshop Buttermesser, Stühle und Tische. Jesse will sich zum Abschluss ein eigenes Bett bauen.

 

Sofia, Tim und Anni studieren zwar noch, müssen aber in der schönsten Zeit des Jahres arbeiten: Juli, August, September. Denn das Geld reicht nicht bei den hohen Mieten in Helsinki. Tim hat gerade sein Abitur hinter sich und betreut dieses Jahr die X-Box Abteilung im Freizeitpark Linnanmäki. Sofia arbeitet schon mehrere Jahr im Kartenverkauf und hat sich zur Schichtleiterin hocharbeitet. Sie ist mit 25 Jahren für über 100 Leute verantwortlich.

 

Viele Studenten und arbeitslose Jugendliche nutzen die drei Sommermonate, um Geld zu verdienen. Das Prinzip: Die jungen Erwachsenen übernehmen einen Job beispielsweise in einer Fabrik. Der Angestellte hat in dieser Zeit Urlaub. Im Freizeitpark von Helsinki sitzen an fast allen Buden, Achterbahnen und Schiffsschaukeln junge Leute. Der Park hat nur in den Sommermonaten geöffnet und ist nicht nur bei den Besuchern beliebt – über 3.000 Jugendliche bewerben sich jedes Jahr auf einen der 300 Plätze.

 

Heidar Al-Tamimi, 35, hat einen Traum – er möchte eine eigene Werkstatt aufmachen. Auch er ist schon einige Jahre im Land und findet keine Arbeit. In der Werkstatt darf er sich erproben. Keine lästige Theorie, sondern Arbeiten wie in im richtigen Arbeitsleben. Die Autos stammen von normalen Kunden – es ist billiger als anderswo, dauert aber auch länger: Al-Tamimi repariert gerade eine alten BMW. In den Hallen stehen Boots, Jet-Skis, Trecker und viele Autos.

 

Ein Rechtsanwalt, der gleichzeitig als Pfarrer arbeitete, gründete die Schule 1990, um kriminelle Jugendliche von der Straße zu holen. Elf Jahre später gibt es nicht nur eine Werkstatt, sondern ebenso einen Kosmetikstudio, Friseursalon und eine Kantine. Der Pfarrer wollte den Jugendlichen zeigen: Die Autos, welche ihr nachts beschädigt, könnt ihr auch wieder heile machen.

 

Jugendarbeitslosigkeit in Finnland, ein engagierter Bericht von Eva Maria Bloch zeigt die Probleme und einige der Lösungsansätze, die unsere Reiseteilnehmer mit nach Hause nehmen konnten. Auch Angela Wüsthof setzt sich mit dem Thema auseinander. Ihren Bericht haben wir ebenfalls zum Download hinterlegt.

 

Wütende Vögel

In Helsinki tüfteln Studenten zusammen an neuen Produkten. Ihre Vorbilder zeigen: Nicht jede Idee erfüllt einen Zweck – so wie ein Stein mit Augen.

von Caspar Tobias Schlenk

 

Eine Lagerhalle von außen, ein Ideenwerkstatt von innen – das soll die „Aalto Venture Garage“ in Helsinki für Studenten sein. Nach dem Vorbild erfolgreicher Start-Ups wie Google und Microsoft wollen die Studenten hier in ihrer Garage zusammen an neuen Ideen arbeiten. Das Gebäude – ursprünglich eine Lagerhalle der Universität – wurde von Studenten entdeckt und umgebaut: Ein gelber Wohnwagen steht in der Mitte, in der Küche sieht man auf einem Flachbildschirm die Bilder von verschiedenen Kameras, die Portraits ihrer Vorbilder hängen an der Wand.

Ville Simola trägt Badelatschen. Der Leiter ist genauso jung und hip wie sein Projekt. Er steht neben einer der Erfindungen: Ein Punkt aus Metall, in einen Tisch eingelassen. „Man muss nur einfach sein Handy drauflegen und dann wird es aufgeladen“, sagt Simola. Den Punkt soll es künftig in Cafés und am Flughafen geben.

 

Jeder kann in der „Aalto Venture Garage“ kommen, sich auf ein Sofa setzen und anfangen auf seinem Laptop zu arbeiten. „Ich komme, weil ich auf der Suche nach Leuten bin, die genauso verrückt sind wie ich“, sagt einer der Teilnehmer. Es gibt W-Lan, Flipcharts, Besprechungsräume. Mehrmals im Monat kommen Trainer. Gute Erfinder haben die Chance ein Praktikum und eine Stelle im Silicon Valley zu ergattern, denn die Organisatoren haben ein gutes Netzwerk in den USA.

 

An diesem Tag erzählt ein schwedischer Professor aus der Praxis. Keine langweilige Präsentation – er will den Studenten eine Botschaft mitgeben. „Stellen Sie nicht sofort einen Businessplan auf, machen Sie einfach erstmal“, sagt der Professor. Auch müsse eine Idee nicht immer sinnvoll sein.

 

Als Beleg für seine These erzählt der Professor die Geschichte von Gary Dahl aus den 70er Jahren: Dahl trifft sich mit seinen Freunden, sie grillen gemeinsam, der Alkohol fließt. Zu später Stunde streiten die Männer darüber, welches Tier ein besseres Haustier sei: Hund oder Katze. Plötzlich springt der Gastgeber auf und ruft: „A Rock is the best Pet.“ Ein Stein. Am nächsten Morgen wacht er mit schlimmen Kopfschmerzen auf, er erinnert sich an die Diskussion und plötzlich schwirren die zwei Worte „Pet“ und „Rock“ durch seinen Kopf. Er sagt die zwei Worte immer wieder: „Pet“,„Rock“, „Pet Rock“– ein Haustier aus Stein. Er malt daraufhin zwei Augen auf einen Stein. Eine verrückte Idee, doch die Leute lieben es. Die Steine verkauften sich millionenfach, Gary Dahl ist heute Millionär. Die Studenten im Saal lachen.

 

Nur ein paar hundert Meter entfernt von der Lagerhalle ist vor kurzem der Durchbruch gelangt: „Angry Birds“, wütende Vögel – ein Onlinespiel. Die Vögel müssen mit einer Steinschleuder auf Gegenstände geschossen werden. In vielen Ländern ist das Spiel zum Zeitvertreiber geworden.

Einer der Teilnehmer, der sich mit seinem Spitznamen Odin vorstellt, arbeitet gerade 12 bis 14 Stunden pro Tag an einem Spiel. Es geht darum seinen Fähigkeiten und Charakter von Freunden bewerten zu lassen. Sein Bett hat er schon lange nicht mehr gesehen, die Nächte verbringt er im Büro. Es warten noch viele schlaflose Nächte bis sein Spiel endlich fertig ist. Doch er ist zuversichtlich, seinen "Pet Rock" gefunden zu haben.

 

WooDoo

Von Konrad Daubek

 

Ein Blick auf die Uhr, ein letzter Zug an der Zigarette, dann geht Gruno Nordin zurück an die Arbeit. Langsam schlendert er durch die Werkstatt. Vorbei an der heulenden Hobelmaschine und der kreischenden Kreissäge. Staub flimmert in den Strahlen der Nachmittagssonne. Es riecht nach Holz. Daran könnte er sich gewöhnen. Ab heute macht er »WooDoo«.

 

Gruno Nordin ist 16 und arbeitslos, wie viele in seinem Alter. 28 Prozent der Finnen zwischen 15 und 24 Jahren haben keinen Job. Und das, obwohl die Finnen laut PISA-Studie regelmäßig Bestnoten einfahren. Mit Projekten und Initiativen versucht die Politik gegenzusteuern. »WooDoo« ist eines davon. Der Name steht für »Wood« und »Do«. 35 Jugendliche stehen hier an den Hobelbänken und Maschinen. Jyrki Tolvanen kümmert sich um sie. Den Mann mit den glasigen blauen Augen und dem dicken Bauch nennen die meisten hier nur »Boss«. Die Jugendlichen respektieren ihn. Ruhig, aber bestimmt zeigt er ihnen die Maschinen, hilft, kleine Möbelstücke zu planen, und wenn er gut drauf ist, macht er hin und wieder einen Scherz. »An der Hobelbank merken die Jugendlichen, was sie mit ihren eigenen Händen schaffen können«, sagt Tolvanen. »Das motiviert und gibt Erfolgsgefühle.«

 

Über eine Jobvermittlung fand Gruno Nordin den Weg in die »WooDoo«-Werkstatt. Nachdem er die Schule mit Ach und Krach hinter sich gebracht hatte, fehlte die Orientierung. Alkohol und Drogen halfen, die Langeweile jeden Tag zu bekämpfen. Die Eltern der Jugendlichen sind meist selbst arbeitslos. Die Frau bei der Jobvermittlung bot Gruno einen Schreiner-Workshop an. Seit zwei Tagen kommt er nun morgens in die Werkstatt. Dort herrschen klare Regeln.

Wer getrunken hat, muss wieder gehen. Wer Drogen dabei hat, fliegt raus. Und wer nicht pünktlich auf der Matte steht, der wartet nicht lange, bis Tolvanen auf dem Handy anruft.

 

»Ich checke jeden Morgen, ob die Jugendlichen in guter Verfassung sind«, sagt Tolvanen. Das ist wichtig bei den ganzen Maschinen in der Werkstatt. Niemand soll sich verletzen. Auch die richtige Arbeitskleidung ist wichtig. Vor ein paar Wochen kam ein Mädchen mit High Heels in die Werkstatt. »Da hab ich ihr gesagt, dass ihre Schuhe zu teuer seien, um sie in der Werkstatt schmutzig zu machen.« Tolvanen lacht. Sie habe es eingesehen. Gemeint ist die 18-jährige Wera Karumo. Seit diesem Tag trägt sie richtige Arbeitsschuhe. Dafür sind ihre kunstvoll lackierten Fingernägel so lang, dass sie die Arbeit an der Bandschleifmaschine wohl nicht unbeschadet überstehen werden. Ein Buttermesser aus Holz. Das ist die erste Aufgabe für die Jugendlichen in der Werkstatt. Aussägen, schleifen und ölen.

 

Danach bauen viele einen Stuhl, bevor sie sich an größeren eigenen Projekten versuchen. Ideen gibt es genug und Holz ist in Finnland keine Mangelware. 68 Prozent des Staatsgebietes ist mit Wald bedeckt. Die Holzwirtschaft gehört zu den größten Wirtschaftssektoren Finnlands. Vorrangig wachsen hier Kiefern, Fichten und Birken – Hölzer, die auch Tolvanen in seiner Werkstatt verwendet. Er will den Jugendlichen beibringen, umweltbewusst zu denken. Die Bretter im Holzlager sind ausschließlich Massivholz.

 

Gegründet wurde »WooDoo« vor 20 Jahren. Während der finnischen Wirtschaftskrise Anfang der 1990er Jahre fanden vor allem junge Leute keine Jobs. Mit Geld aus dem Europäischen Sozialfonds entstand das Projekt. Zahlreiche solcher Initiativen gibt es im Großraum Helsinki. In einer KFZ-Werkstatt reparieren Jugendliche Motorräder und Autos, andere kochen in einer Mensa jeden Tag für mehrere Hundert Leute. Das Geld für diese Projekte kommt aus der staatlichen Spiele-Lotterie oder aus Sozialfonds.

 

Es ist Nachmittag, als Tolvanen sich auf den Fahrersitz seines Toyota Busses schwingt. Er fährt in ein Wohngebiet, fünf Minuten von der Werkstatt entfernt. Vier seiner Jungs montieren hier eine Deckenverkleidung in einer Wohnung. Mit einer Druckluftpistole tackern sie schmale, dünne Bretter auf die Balken. Ein Freund von Tolvanen zieht hier bald ein. Immer wieder erledigen die Jugendlichen Auftragsarbeiten. Bekannte bringen Möbel zur Reparatur vorbei oder lassen neue bauen. Der Preis ist günstig, dafür dauert es länger. Wer sich in der Werkstatt profiliert, bekommt bald auch einen Lohn. 35 Euro am Tag. Das ist nicht viel, aber eine Anerkennung. Die meisten Jugendlichen sind fünf Monate hier. Danach bewerben sie sich für einen Ausbildungsplatz oder an einer weiterführenden Schule. Tolvanen hält Kontakt zu seinen ehemaligen Mitarbeitern.

Viele finden eine Stelle oder machen sich irgendwann selbstständig. Doch auch mit Rückschlägen muss er leben. Ein Fünftel der Leute brechen den Workshop schon nach ein paar Wochen ab.

Es ist fast fünf Uhr als Gruno Nordin seinen Platz an der Hobelbank verlässt. Mit dem Zeigefinger streicht er über das glatte Stück Holz in seiner Hand. Viel Schleifpapier hat er gebraucht, dass es sich so weich anfühlt. Als erstes das ganz grobe, dann wurde es immer feiner. Auch Wera Karumo zieht ihren roten Arbeitskittel aus und macht sich auf den Heimweg. Heute haben ihre Fingernägel überlebt. Sie will sie trotzdem schneiden. Lachend klopft ihr Tolvanen auf die Schulter: »Eine gute Entscheidung.«

Partizipations-Blog
Wie beteiligen sich Finnen an ihrem sozialen und politischen System? Was können wir in Sachen Partizipation von ihnen lernen? Wo gibt's Gemeinsamkeiten und wo Differenzen? Dieser Frage ging ein einhalbjähriges Projekt des Bundesfamilienministeriums nach, das 20009 und 2010vom PNJ mit dem Blog "Verstärker" begleitet wurde. Resultat ist ein bunte Seite mit vielen, vielen Infos für Finnland-Fans und solche, die es noch werden wollen.

 

Berichte von TeilnehmerInnen aus früheren PNJ-Informationsreisen zu ganz unterschiedlichen Jugendthemen nach Finnland

Nachwuchsbands in Helsinki


Von Marcus Fink

 

Nachdem finnische Bands wie Him, The Rasmus oder die Leningrad Cowboys im Ausland und vor allem in Deutschland große Erfolge feiern, liegt es nahe mal einen Blick nach Skandinavien zu werfen und die  junge Musikszene und deren Strukturen in der finnischen Metropole Helsinki genauer zu betrachten. Was macht die Bands international so erfolgreich und welche Möglichkeiten werden im Land der tausend Seen geboten?

 

Ein sehr gutes Beispiel, wie verschieden Systeme sich vernetzen, ist die Band The Rasmus.

Gefördert von der staatlichen Jugendabteilung gibt es für den jungen Rocknachwuchs einige Möglichkeiten in Helsinki. Da gibt es das Jugendzentrum Harju, das neben den Bereichen Bildende Kunst und internationaler Jugendaustausch, vor allem im Gebiet der Musik einiges bietet. So stehen 3 Proberäume für bis zu 12 Bands, ein Tonstudio mit mehreren Aufnahmeräumen und ein komplett ausgestatteter Veranstaltungsraum für Newcomerkonzerte zur Verfügung. Des Weiteren haben die jungen Musiker auch die Möglichkeit die Kreativwerkstätte zu nutzen um etwa ihre eigenen Band-Shirts mit Siebdruck herzustellen. Im städtischen Jugendmedienzentrum Hattutehdas, gibt es neben einem Tonstudio, auch das Angebot für Jugendliche einen Videoclip zu produzieren und professionelle Homepages zu verwirklichen. Es gibt den Bandcontest Sound & Fury und das Young Culture Festival, wo den Bands eine Plattform geboten wird. Und dann gibt es noch den Oranssi Club, eine alternativ geführte Einrichtung, die jedes Jahr zahlreiche Konzerte im Nachwuchsbereich veranstaltet.

 

Hier beginnt auch die Geschichte von The Rasmus. Ein Teil der Band arbeitete ehrenamtlich im Bistro des Clubs mit. Sie bearbeiteten den Verantwortlichen so lange, bis sie eines Abends tatsächlich ihren ersten Auftritt spielen durften. Ein weiterer Mitarbeiter, Teja Kotilainen der wie die meisten aus der Jugendmusikszene stammt, war von der Band sofort begeistert und erkannte das Potential der jungen  Musiker. Fortan arbeitete er mit den Jungs zusammen und wurde ihr Manager. Das Geld für ihre erste Aufnahme verdiente sich die Band durch das Verteilen von Poster und Flyer bekannter Musikgrößen, die in Helsinki spielten. Die Agentur, bei denen sie arbeiteten, war gegenüber der Jugendkultureinrichtung. Als genug zusammen war, wurde die erste CD produziert. Diese fand bei einigen Radios in Helsinki großen Anklang und wurde regelmäßig im Programm gespielt. Mehrere große Plattenfirmen hatten daraufhin Interesse und boten The Rasmus einen Plattenvertrag an. Dann ging es Schlag auf Schlag. Bereits von der 4.CD wurden 67 000 Kopien in Finnland verkauft und die Band erhielt den Emma (der finnische Grammy-Award). Die nächste Platte mit dem Titel Dead Letters wurde über 1,5 Mio. Mal auf der ganzen Welt verkauft.

 

Auch heute noch sind The Rasmus eng mit dem Oranssi verbunden und spielten z.B. beim  Jubiläumskonzert zum  Zehnjährigen, in dem 150 Besucher fassenden Klub. Natürlich unter falschem Namen.

 

Überhaupt ist der Oranssi Klubi, eine wichtige Schnittstelle zwischen der Nachwuchsbandszene und der professionellen Musikindustrie. Immer wieder besuchen die Talentscouts die Jugendkultureinrichtung um neue Stars zu entdecken.

 

Diese kurzen Wege und die enge Vernetzung von Jugendkulturförderung und der  Musikindustrie, sind eines der besonderen Merkmale der finnischen Musikszene und auch der große Unterschied zur Struktur in Deutschland. Da Finnland mit 5,5 Mio. Einwohner nur eine geringe Bevölkerungsdichte hat. Und es nur ein großes Ballungsgebiet rund um Helsinki gibt, ist die Szene sehr überschaubar und die Wege zu den einzelnen Einrichtungen und Musikfirmen nicht lang. In Deutschland ist die Musikszene auf  mehrere Städte verteilt und somit diese enge Vernetzung nicht gegeben.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die musikalische Ausbildung von Kinder und Jugendlichen, die in Finnland einen großen Stellenwert einnimmt. Wo  in Deutschland eine musikalische Ausbildung oft mit hohen Kosten verbunden ist und somit nur einer bestimmten Gruppe zugänglich, gibt es in Finnland ein kostenloses Angebot für alle.

 

Somit gibt es eine Basis, mit der neue Kultur in verschiedenen Bereich geschaffen werden kann.

Diese Unterschiede bedingen auch unterschiedliche Ansätze in der Nachwuchsbandförderung. Werden bei uns Workshops im Bereich der Musikorganisation, wie z.B. Bandpräsentation, Vermarktung, etc. angeboten, um den Bands die Möglichkeit zu geben auch in anderen Gebieten des Landes bekannt zu werden, ist dies in Finnland kein Schwerpunkt. Aufgrund der zentralen Stellung Helsinkis, mit seiner überschaubaren Szene, werden solche Themen erst im Rahmen der Globalisierung durch die Möglichkeiten des Internets mehr und mehr notwendig.

 

Gerade im Bereich der Jugendmedienarbeit, ist Finnland schon seit Jahren, sehr aktiv. Dies hat zur Folge, dass es auch in der Musikszene neue Entwicklungen gibt. Durch die intensive Nutzung der Informationsmöglichkeit über das Internet, gibt es für neue Szenen eine gute Chance, sich zu etablieren. In Finnland haben Musikgenre wie Metal und Heavy Rock einen anderen Stellenwert wie in Deutschland. Was bei uns als eigenständige Szene nur von einem Teil der Jugendlichen intensiv wahrgenommen wird, ist in Finnland ein „Massenphänomen“, das sich dann natürlich auch auf alle anderen Medien wie TV, Radio und Print überträgt. Das „ neue Ding“ aus Helsinki kommt von der Kallion Lukio Schule. Einem kunstorientiertem Gymnasium. Die Bands, meist aus dem Dunstkreis dieser oder auch von anderen Kunsthochschulen, performen in sehr speziellem Outfit, ihre Songs. Eine Mischung aus progressivem Rock, Grunge und Punk.  Abstrakte Songstrukturen sind ein weiteres Merkmal. Eine der angesagten Bands ist Sydän Sydän (Herz, Herz), deren Gitarrist im Übrigen im Oranssi mitarbeitet.

 

Zivildienst in Finnland
Von Barbara Oertel

 

Jeden Morgen besteigt Ville Karanen im Hafen der finnischen Hauptstadt Helsinki eine Fähre, die ihn in fünfzehn Minuten auf die kleine Insel Suomenlinaa bringt. Dort leistet der 24jährige, der nach dem Abitur eine Gärtnerlehre gemacht hat, in der Jugendherberge seit zehn Monaten seinen Zivildienst. Karanen ist quasi Alleinunterhalter und der Mann für alles. Er macht Dienst am Empfang, putzt, wäscht, bezieht Betten und bereitet die Mahlzeiten vor. Für sieben bis acht Stunden Arbeit täglich bekommt der junge Mann alle zwei Wochen 200 Euro. "Wenn mir mein Vater nicht helfen würde, wäre ich dauernd pleite", sagt er.

 

Zur Armee zu gehen war für Ville Karanen nie ein Thema. "Ich wollte immer verweigern. Dienst in der Armee, das ist nichts für mich. Im hohen Norden bei Minusgraden sitzen und aufpassen, dass der Schnee nicht angreift?", sagt er und tippt sich an die Stirn. Besonders gefällt ihm, dass er jeden Abend nach Hause fahren kann und "nicht in der Kaserne verblödet". Zwar hat der junge Mann gerade in den Sommermonaten bei ständig wechselnden Schulklassen kaum mal eine ruhige Minute. Dennoch ist Karanen froh, hier gelandet zu sein. "Zwölf Bewerbungsgespräche habe ich geführt, bis es endlich geklappt hat", sagt er.

 

In der Tat haben es Finnen, die den Wehrdienst verweigern schwer, eine Stelle zu finden. Und das, obwohl sich nur acht bis neun Prozent eines Jahrgangs, das sind rund 2500 Personen, für diesen Schritt entscheiden. Davon sind 50 bis 80 Totalverweigerer. In Finnland dauert der Zivildienst 13 Monate. Der Dienst in der Armee, der auch Frauen offen steht, dauert mindestens sechs, für denjenigen, der nach höheren Dienstgraden strebt, bis zu maximal zwölf Monaten.

Die Tatsache, dass die übergroße Mehrheit der Finnen widerspruchslos der Einberufung folgt, erklärt Kaj Raninen damit, dass in Finnland vor allem aus historischen Gründen auf die jungen Menschen immer noch ein immenser sozialer Druck ausgeübt werde, ihren Wehrdienst zu leisten. "Das Motto lautet: jeder muss dienen", sagt er. Der 39jährige arbeitet beim Finnischen Verband für Kriegsdienstverweigerer, der 1974 gegründet wurde und heute 1400 Mitglieder hat. Raninen selbst ist Totalverweigerer und hat dafür siebeneinhalb Monate im Gefängnis gesessen. "Ich würde das Gleiche noch einmal machen, denn ich lehne dieses System grundsätzlich ab. Die finnische Armee sollte abgeschafft werden, sie wird nicht gebraucht", sagt er.

 

Der Verband, finnlandweit die einzige derartige Institution, informiert und berät Verweigerer und hilft bei der Suche nach Anwälten. Mit zahlreichen, auch internationalen, Kampagnen, wie beispielsweise "Food not bombs" rufen die Vertreter des Verbandes zum "zivilen Widerstand" auf. Zudem werben sie bei Abgeordneten, vorzugsweise der Oppositionsparteien, für ihr antimilitaristisches Anliegen.

 

Dabei geht es Raninen und seinen Mitstreitern vor allem darum, Veränderungen des Zivildienstgesetzes durchzusetzen, dessen erste Fassung aus dem Jahre 1931 stammt. Oberste Pritorität habe, so Raninen, eine Verkürzung des Zivildienstes. Die Dauer von 13 Monaten stellt eindeutig eine Diskriminierung dar, das hätten auch die Vereinten Nationen bereits kritisiert. Ein weiteres Problem ist, dass für Zivildienstleistende nicht genügend Stellen zur Verfügung stehen. Grundsätzlich können Verweigerer überall eingesetzt werden, in Krankenhäusern, Sozialstationen, Büchereien, Schulen oder Nichtregierungsorganisationen. Derzeit bieten in Finnland 1400 Betriebe und Organisationen derartige Arbeitsplätze an - was bei weitem nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken. Die Gründe für diese Zurückhaltung sind für Raninen offensichtlich. Rund 12.000 Euro muss eine Organisation für einen Zivildienstleistenden zahlen - für Lohn, Sozialversicherung, Unterkunft, Verpflegung und Fahrtkosten. "Da ist die Motivation natürlich sehr gering, eine Stelle anzubieten", sagt Raninen. Damit sich das ändere, müsse sich der Staat an den Kosten beteiligen. "Doch der hat sich bislang dafür nicht interessiert."

 

Ein weiterer Knackpunkt ist, dass Zivildienstleistende zwar in Friedenzeiten vom Dienst an der Waffe befreit sind, das Gesetz sich über ihren Status in Kriegszeiten jedoch ausschweigt.

Doch für Raninen zeigt sich die Diskriminierung von Verweigerern nicht nur an der Dauer des Ersatzdienstes. In den Stellenanzeigen mancher Firmen sei geleisteter Wehrdienst eine der Einstellungsvoraussetzungen. "Das ist vom Gesetz her verboten", sagt Raninen. Bis zum Januar vergangenen Jahres hätte der Verband rund 200 solcher Anzeigen zusammengetragen.

Offensichtlich zeigt der Engagement der organisierten Kriegsdienstverweigerer eine erste Wirkung. Derzeit wird das Zivildienstgesetz im Arbeitsministerium überarbeitet und soll nach der Sommerpause ins Parlament eingebracht werden.

 

"Wir sind für eine Verkürzung des Zivildienstes auf elf Monate", sagt Oras Tynkkynen, Mitglied der grünen Partei, die der Regierung angehört und mit 29 Jahren zweitjünster Parlamenstabgeordneter. Was die Finanzierung von Stellen für den Ersatzdienst angehe, da müsse der Staat endlich Verantwortung übernehmen. "Er müsste für alle Kosten aufkommen, zumindest aber sollte das Verhältnis 50 zu 50 sein." Werden diese Forderungen bei den Koalitionspartnern durchsetzbar sein? "Noch sperren sie sich", sagt Tynkkynen, "aber ich bin trotz allem optimistisch."


Der Mann, der The Rasmus entdeckte
Von Fritz Hermann Köser

 

Ein kahlköpfiger, ganz in Schwarz gekleideter Mann sitzt in der Lobby eines Hotels in Helsinki. Teja Kotilainen krempelt einen Ärmel hoch und deutet stolz auf die schnörkelige Aufschrift „Dynasty“ auf seinem Oberarm. „Dieses Tattoo verbindet mich mit den Jungs von The Rasmus“, sagt der Musik-Produzent. Es sei ihr gemeinsames Markenzeichen.

 

The Rasmus also. In 2004 plärrt ihr Mega-Hit „In the shadows“ aus nahezu allen Radio-Lautsprechern. Vor allem in Deutschland, dem wichtigsten Absatzmarkt der Band. Bei MTV Europe rotiert das Video in der Dauerschleife. Seitdem gehören die vier Twens aus der finnischen Hauptstadt zu den ganz Großen in der Branche. Kotilainen hat wesentlichen Anteil daran.

 

Alles begann in einem besetzten, baufälligen Haus am Hafen von Helsinki, im Juli 1995. Das alte Gemäuer beherbergt Kotilainens Jugendclub Oranssi, den er einen Monat zuvor gegründet hatte. Drei Schüler arbeiten dort freiwillig in der Cafeteria. Eero Heinonen, Lauri Ylonen und Pauli Rantasalmi. Damals nennen sich der Gitarrist, der Sänger und der Keyboarder noch Rasmus. Das „The“ kommt später hinzu, um Verwechslungen mit dem schwedischen DJ Rasmus zu vermeiden.

 

Ihre Schule fördert musikalische Nachwuchstalente nach Kräften, sie können sich frei entfalten. Nun wollen die Neuntklässler zusammen mit Schlagzeuger Janne Heiskannen in dem Jugendclub auftreten. Der jetzige Drummer Aki Hakala löst ihn in 1999 ab. Sie spielen und Kotilainen begeistern die damals 15-Jährigen. Er erkennt ihr Potential und wird ihr Manager. Bereits damals ist er gut mit der Musikbranche vernetzt. Seine Kontakte könnten helfen, denkt er sich.

 

Dennoch ist der Anfang alles andere als leicht. Die Band will ins Studio, eine erste Single aufnehmen. Doch woher das nötige Kleingeld nehmen? Manager und Musiker kleben Plakate in den Straßen von Helsinki. Für die Stones. Es reicht für das Debüt „1st“. Die Radiostationen nehmen den Song in die Playlist auf. Schnell werden die großen Major-Label auf The Rasmus aufmerksam. Warner Music Finland nimmt sie zunächst unter Vertrag, später wechseln sie zu Universal.

 

Hier veröffentlichen sie das Album „Dead Letters“. Dank „In the shadows“ verkauft es sich 1,5 Millionen Mal. Es erhält acht Gold-, fünf Platinauszeichnungen und Top-10-Platzierungen in elf Ländern. Der extrem kommerzielle Ohrwurm sei alles andere als innovative Musik, räumt Kotilainen ein. Mainstream pur. Und das bei einer Band, die sich selbst als Dark-Rock-Formation bezeichnet. „Die wurden ziemlich plötzlich ziemlich berühmt“, sagt er. Vielleicht ein wenig zu schnell. So, dass viele Leute sie als Eintagsfliegen abtäten. Doch sie wüssten nicht, dass dahinter zehn Jahre harte Arbeit steckt.

 

Nach der Single „1st“ produziert Kotilainen noch die Alben „Peep“ und „Hell of a Tester“. Vor sechs Jahren gab er die Band an den Manager von Him ab. Er selbst arbeitete nun bei Universal als Bandscout, um für das Label neue Talente zu entdecken und zu fördern. Vor drei Jahren verließ er Universal und gründete eine eigene Firma.

 

Zu den Rasmus-Mannen hat er bis heute Kontakt. Regelmäßig trifft er sie auf ein Bier. „Das sind immer noch die Alten“, versichert er. Trotz des Erfolges seien sie nicht arrogant geworden.

Finanziell haben sie ausgesorgt. Lauri besitzt einige Einfamilienhäuser im Raum Helsinki, Pauli nennt dort ein paar Wohnungen und ein Aufnahmestudio sein eigen. Das alte Haus am Hafen wurde längst abgerissen. Es hat einem edlen Apartment-Turm Platz gemacht.


"humalajuominen" ist jetzt total out
von Volker ter Haseborg

 

Vor ein paar Tagen hat er es wieder getan: "humalajuominen" - so nennt man in Finnland gezieltes Rauschtrinken. Lasse kaufte sich eine Flasche finnischen Wodka, trank sie leer. Allein. Manche Männer, die er kenne, schafften mehrere Flaschen, sagt Lasse. Getrunken wird möglichst schnell. "Da wartet man nicht lange."

 

Lasse Siren ist 58. Fast alle seiner Altersgenossen würden das "humalajuominen" pflegen, erzählt er. Allein oder in der Gruppe. "Unsere Väter haben es auch gemacht. Wir können sonst keine Gefühle zeigen. Es hilft uns, etwas zu erleben." Eines, erzählt Siren, sei ihm aber aufgefallen: "Die Jugendlichen heute machen es nicht mehr."

 

Alkohol gilt in Finnland seit Generationen nicht in erster Linie als Genuss-Mittel. Sondern als Rausch-Erzeuger. Die Erklärungen für die Exzesse der Finnen sind vielfältig: Die Einsamkeit in den weiten Mooren, der Tundra, den Wäldern. Der lange, kalte Winter. Die Randlage während des Kalten Krieges, als das Land im Schatten der Sowjetunion isoliert war.

 

Von Generation zu Generation wurde das Alkohol-Ritual vererbt. Doch damit scheint jetzt Schluss zu sein: Studien haben ergeben, dass immer mehr Jugendliche gar nicht erst anfangen mit dem Trinken. Alkohol wird unpopulärer. Und das zu einer Zeit, zu der deutsche Suchtforscher Alarm schlagen - zu einer Zeit, in der die Deutschen aufgeregt über Flatrate-Parties und den Tod eines Berliner Teenagers nach 52 Tequilas diskutieren. Die Finnen kennen die Diskussion. Nur hat sie im hohen Norden vor über zehn Jahren stattgefunden.

 

Ursachen dafür, dass der Trend in Finnland genau in die andere Richtung läuft, sind einerseits erfolgreiche Maßnahmen der Regierung. Aber vor allem kultureller Wandel: Koma-Trinken gilt bei finnischen Jugendlichen als uncool. "Ich trinke einmal pro Woche Alkohol. Wenn es nicht zu viel auf einmal wird, ist es okay", meint der 18-jährige Schüler Tony Leppäkuski aus Helsinki. Und die 17-jährige Emilia Rönnberg sagt: "Ich habe mich noch nie betrunken - und auch meinen Freunden bedeutet Alkohol nichts." Tom Leitsaro, 14, erzählt ehrfürchtig, wie letztens alle Schulklassen seiner Schule in die Aula mussten, zu einem abschreckenden Vortrag über die Auswirkungen von Alkoholismus. Die Maßnahmen wirken.

 

22 Prozent der 16-jährigen Jungs in Finnland gaben einer Studie zufolge zu, dass sie sich gezielt mindestens einmal in Monat betrinken. Mitte der 90er Jahre waren es über 30 Prozent. Bei den Mädchen sank die Quote von 22 auf 18 Prozent. Anfang der 90er Jahre lag die Zahl der 16-Jährigen, die gar keinen Alkohol tranken, bei rund 12 Prozent. Heute sind es doppelt so viele. Und das, obwohl der Alkohol-Konsum aller Finnen wegen der gesunkenen Alkohol-Preise deutlich zugenommen hat.

 

Die Rausch-Quote von Teenagern in Finnland scheint immer noch hoch. Aber der Vergleich mit Deutschland lohnt:

  • 63 Prozent der 16- bis 17-jährigen Jungen in der Bundesrepublik trinken mindestens einmal im Monat fünf alkoholische Drinks nacheinander - vor drei Jahren waren es elf Prozent weniger. Das ergab eine aktuelle Alkoholumfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
  • Bei allen Jugendlichen verzeichnete die Bundeszentrale einen gestiegenen Alkoholkonsum.
  • Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen stellte fest, dass der Stellenwert von Alkohol bei Jugendlichen nach dem Jahr 2000 im Gegensatz zu den 80er und 90er Jahren dramatisch gestiegen ist.
  • Zu Beginn der 90er Jahre fielen vergleichbare Studien in Finnland ähnlich aus. Doch die Verantwortlichen lernten aus der Vergangenheit:
  • Wurde das Trinken von der finnischen Wissenschaft früher sogar als "Freizeit-Beschäftigung" eingeordnet, kam es zu dieser Zeit in den nationalen Gesundheitsplan.
  • Ein eigenes Unterrichtsfach wurde für die Grundschule eingeführt, die in Finnland bis zur neunten Klasse geht. Der Körper und die Kontrolle über ihn stehen im Mittelpunkt. Auch Gymnasiasten pauken in Gesundheits-Kursen.
  • 14,5 Millionen Euro investierte die finnische Regierung für eine Anti-Alkohol-Kampagne in der Zeit von 2004 bis jetzt. Jedes Jahr schießt das Bildungsministerium eine weitere Million dazu.
  • Der Zugang für Jugendliche zum Alkohol wurde erschwert: Getränke mit mehr als 4,5 Prozent Alkoholgehalt bekommt man ohnehin nur in staatlichen Läden. Dort muss man seinen Ausweis zeigen.
  • Das Jugend-Ministerium bat Eishockey- und Fußballclubs, nicht mehr mit Alkohol-Herstellern auf ihren Trikots zu werben. Fast alle Clubs halten sich daran.
  • Jugendlichen unter 18 ist es verboten, auf öffentlichen Plätzen Alkohol zu trinken.

 

Flatrate-Parties? Saarena wird ungehalten: "Die sind bei uns verboten. Wir haben Wettbewerbe darin, wie lange man es in der Sauna aushält. Wir sind schon verrückt genug." Wirte, die Flatrate-Parties anbieten, würden schnell ihre Ausschank-Erlaubnis verlieren. "Nach unserem Gesetz wäre das Mord", schimpft Saarela. Klar, der Rückgang der Saufgelage bei Jugendlichen sei Folge der guten Jugend-Politik, sagt er. Doch der Spitzenbeamte ist ehrlich: "Irgendwie liegt es auch an der neuen Zeit."

 

Mikko Salasuo ist einer der bekanntesten Jugend-Forscher in Finnland. Für ihn ist ganz klar ein kultureller Wandel dafür verantwortlich, dass Jugendliche weniger zur Flasche greifen. Die Generation von Lasse Siren, dem 58-jährigen Trinker, sei groß geworden, als Finnland noch ein Agrar-Staat war, erzählt er. "Aber wir sind aus unseren Wäldern heraus gekrochen. Das Selbstbewusstsein der Finnen ist gewachsen - wir sind keine Hinterwäldler mehr, haben Nokia, sind sehr europäisch, trendy." Jugendliche hätten heute viel mehr Freizeitmöglichkeiten, völlig andere Kommunikations- und Reisemöglichkeiten. In anderen Ländern könnten junge Finnen sehen, dass viel zivilisierter getrunken wird als zu Hause. Früher sei es heldenhaft gewesen, sich volllaufen zu lassen, heute seien Säufer in Jugend-Kreisen stigmatisiert. "Jugendliche können ihre eigene Welt schaffen. Da müssen sie nicht mehr viel von ihren Eltern und Grosseltern übernehmen", sagt Salasuo.


Lasse Siren wird sein Trinkverhalten nicht ändern. "humalajuominen", Rauschtrinken, gehöre zu seinem Lebensstil, sagt er. Koma-Saufen? Diesen Begriff will er nicht hören. Vielmehr erzählt er von einem alten Lied, das er mit seinen Kollegen seit Studienzeiten immer gerne singt. Ein alter finnischer Schlager, der das Besoffen-Sein romantisiert. Es heißt: "Jos kaikki suomen järvet oisi viinaa", in etwa: "Wenn doch nur alle finnischen Seen aus Schnaps wären..."

Wo Bildung noch was zählt


Eine Reise nach Finnland – ins Musterland der Pisastudie 

Was machen die Finnen besser bei der Bildung? Weshalb sind finnische Schüler ihren deutschen Altersgenossen auch bei der zweiten Pisa-Studie um mindestens ein Schuljahr voraus? Sieben Tage suchte eine Delegation des Jugendpresseclubs Antworten in Schulen und Jugendorganisationen, in Hilfsprojekten und Jugendclubs.

 

Ein Jugendzentrum in Helsinki, nicht im Zentrum, sondern irgendwo außerhalb. Hier trifft man sich, weil es gute Rockkonzerte für wenig Eintritt gibt, weil man günstig essen kann, weil man coole Leute trifft. Selbst die Erfolgsgeschichte der bekanntesten finnischen Rockband, „The Rasmus“, nahm hier ihren Anfang. Zu Beginn der 90er Jahre wurde das „Orancy“ von Jugendlichen illegal besetzt. In Deutschland wären vermutlich wenige Tage später Ordnungshüter angerückt und hätten das Haus geräumt. Nicht so in Finnland. Die Stadtverwaltung ließ die Jugendlichen gewähren, akzeptierte sogar, dass sie weitere leer stehende Wohnungen besetzten, sie renovierten und an Hilfsbedürftige weitervermieteten. Man mag es kaum glauben, was man mit eigenen Augen sieht und eigenen Ohren hört: „Mal ehrlich, wird das nicht von einigen Jugendlichen ausgenützt?“ Clubleiter Timo Ritanum schüttelt den Kopf. „Nein, wir kümmern uns sehr intensiv darum, wer Unterstützung benötigt und wir arbeiten mittlerweile mit der Stadt auf einer vertrauensvollen Basis zusammen.“ „Auf die Idee sollte mal einer in einem Berliner Jugendzentrum kommen“, raunt es aus der deutschen Besucherdelegation. Erst als der Jugendzentrum-Leiter berichtet, dass es viele Jahre und noch mehr Gespräche gedauert hat, bis die Stadt einlenkte, fühlt sich der Berliner Journalist wieder auf vertrautem Terrain.

 

Finnland ist eben anders - und die Verhältnisse in der 500 000-Einwohner-Stadt Helsinki nicht mit denen deutscher Großstädte, auch nicht mit der etwa gleich großen Stadt Stuttgart, vergleichbar. Das gilt ganz besonders für den Bildungsbereich und für die Art und Weise, wie Jugendhilfe und Schule, wie Lehrer und Schüler in Finnland an einem Strang ziehen. Platz 1 im Lesen, Platz 3 in den Naturwissenschaften und Platz 4 in Mathematik. Kein Wunder, dass auch vier Jahre nach der ersten Pisa-Studie noch immer reichlich Bildungstouristen das kleine Land am nordöstlichen Rand Europas besuchen. „Sie sind meine 10. Pisa-Delegation in diesem Schuljahr“, lässt Kirsti Närvänen, Schulleiterin einer Gesamtschule in Helsinki, die Gäste aus Deutschland wissen. Dabei können viele in Finnland den Rummel um ihr Bildungssystem gar nicht verstehen. Noch heute falle den meisten beim Wort Pisa nur eine Stadt in Italien ein, bestätigt auch die Deutschlehrerin der Schule.

 

Heute Morgen stehen als Erstes die vorbereitenden Klassen für ausländische Kinder im Vorschulalter auf dem Besuchsprogramm. In dem Raum mit den hellen Holzmöbeln und bunten Gardinen herrscht ein reges Durcheinander, nach außen hin vergleichbar mit einem deutschen Kindergarten. Doch bei genauerer Betrachtung erkennt man, dass die Kinder nicht nur zum Spaß hier sind, sondern zum spielerisch Finnisch lernen. Betreut werden die sieben Sechsjährigen von zwei Lehrkräften. In den Vorbereitungskursen, die alle ausländischen Kinder ein Jahr lang vor dem Schulstart mit sieben Jahren durchlaufen, ist das eine übliche Gruppengröße.

Zusätzlich hat jeder Schüler das Recht auf zwei Stunden Unterricht pro Woche in seiner Muttersprache“, erklärt Schulleiterin Kirsti Närvänen. Natürlich haben es die Finnen einfacher. Ihr Ausländeranteil liegt bei nur etwa zwei Prozent, einige Schulen außerhalb Helsinkis haben überhaupt keine ausländischen Schüler. An deutschen Schulen liegt die Quote bei durchschnittlich 16 Prozent.

 

Dennoch: Von den Finnen lässt sich einiges lernen, nicht nur was den Vorbereitungsunterricht für ausländische Kinder betrifft. Denn das Pisa-Musterland, das Anfang der 70er-Jahre sein gegliedertes Schulsystem durch eine neunjährige Gesamtschule ersetzte, hat das in die Realität umgesetzt, von dem deutsche Lehrer und Eltern nur träumen können. So werden in finnischen Schulen Sozialarbeiter, Psychologen und Krankenschwestern eingesetzt, die die „schwierigen Schüler“ unterstützen, gezielte Zusatzförderung für leistungsschwache Kinder ist die Regel, Sitzenbleiben ist so gut wie unbekannt. Jeder Schulleiter stellt seine Lehrer selbst ein und jedem Pädagogen bleibt es selbst überlassen, wie er seine Schüler ans Ziel bringt. Lehrer sehen sich nicht als sture Pauker, sondern eher als Begleiter von Lernprozessen. Im Schnitt sitzen in finnischen Klassen nicht mehr als 20 Schüler, gleichzeitig liegen die Bildungsaufwendungen in dem Fünf-Millionen-Einwohner-Land um etwa ein Drittel über dem europäischen Mittel. Die Schulen werden regelmäßig auf ihre Leistung hin überprüft, die Schüler mit Hilfe von Befragungsaktionen ernst genommen.

 

Auch in der Leseförderung haben die Finnen eine lange Tradition. Sie bemühen sich intensiv um Qualität, Wettbewerb und Eigenständigkeit für ihre Schulen. Fremdsprachen zu lernen ist eine Selbstverständlichkeit. Von der dritten Klasse an wird Englisch unterrichtet und mehr als 80 Prozent der Finnen sprechen Schwedisch. Für diejenigen, die sich für das dreijährige Gymnasium entscheiden, kommt noch eine dritte Fremdsprache hinzu. Was das finnische von dem deutschen Schulsystem jedoch am meisten unterscheidet: Das nordeuropäischste EU-Land hat begriffen, dass Investitionen in die Bildung Zukunftsinvestitionen sind. In Deutschland dagegen werden Bildungsausgaben häufig nur als Ausgaben gesehen, die den Haushalt belasten. „Förderung wird hier nicht als etwas Problematisches, sondern als etwas sehr Positives gesehen“, bringt Kirsti Närvänen ihren Eindruck vom Erfolgsrezept der Finnen auf den Punkt.

 

Nicht nur, dass Staat und Kommune mit 4.000 bis 4.500 Euro pro Schüler/Jahr deutlich mehr für Bildung ausgeben als Deutschland, „vor allem erkennt man in Finnland an, was Schule leistet“, bestätigt auch die erst 14-jährige Ann-Laena Reinonen, die am Puistokatu-Gymnasium in Loimaa, einer 10.000-Seelen-Gemeinde bei Helsinki, eine von zwei Schülerinnen ist, die das Unterstufen-Gymnasium im städtischen Parlament vertritt. Ein weiteres Indiz dafür, dass in Finnland Schüler ernster genommen werden als hierzulande. Doch nicht nur die Schülerschaft, auch der Lehrerberuf ist höher angesehen als in Deutschland. An Nachwuchskräften herrscht kein Mangel. Und das, obwohl die meisten Lehrer gerade mal 3000 Euro brutto oder darunter verdienen. Im Puistokatu-Gymnasium in Loimaa kümmern sich rund 50 Lehrer, dazu einige Psychologen und Sozialarbeiter, um 700 Schüler, die von der 1. bis zur 6. Klasse die Unterstufe durchlaufen. Auf den Gängen geht es natürlich auch lebhaft zu, dagegen sind Rempeleien und Gewalt viel weniger auszumachen. Beim Gespräch mit Schülern und Schulleiter Manne Pärkö gewinnt man zusehends den Eindruck, dass der Pisa-Erfolg Finnlands weniger am Schulsystem liegt, als vielmehr an der Gesellschaft.

 

„Hier geht man einfach anders miteinander um. Bildung wird viel wichtiger genommen“, schlägt auch der deutsche Fernsehmoderator Roman Schatz, der seit über 20 Jahren in Helsinki lebt und schon mehrere Bücher über die finnische Gesellschaft veröffentlicht hat, in dieselbe Kerbe. „Die Lehrer hier machen bestimmt keinen besseren Unterricht, sie haben nur bessere Rahmenbedingungen“, ist Schatz überzeugt. Dazu gehört auch weniger Parteiengezänk und die einheitlich und zentralistisch organisierte Schulpolitik: „In Deutschland wird in der Bildungspolitik alles ideologisch durch die Parteibrille beurteilt und jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen. Das sorgt nicht nur für Verwirrung, es bremst auch ungemein.“

 

Jürgen Spieß (2005)