Niederlande

Fahrräder, Eis mit knallbunten Zuckerstreuseln, Fußball in Orange: Die Niederländer verehren all das – und nebenbei huldigen sie ihrem König, etwa beim Singen der ältesten Nationalhymne der Welt, Het Wilhelmus (Wilhelms Lied). Dass der aktuelle Regent zwar so heißt wie der seit fünf Jahrhunderten besungene Herrscher, ansonsten aber ein anderes Adelskaliber ist, biertrinkend, fußballbegeistert und volksnah-bodenständig, stört niemanden. Im Gegenteil. Wehe aber dem, der die niederländische Bevölkerung über einen Kamm schert und universal zu Holländern macht. Da verstehen unsere westlichen Nachbarn keinen Spaß: Holland ist nur eine Provinz der Niederlande. Wer lässt sein Dasein schon gern von außen schrumpfen, wenn er Vielfalt bietet und in dieser Vielfalt wahrgenommen werden will.


Die Niederlande gelten trotz Monarchie als liberal und fortschrittlich. Ökologisches Bauen hat einen hohen Rückhalt, bereits bei der Expo2000 in Hannover profilierten sich die Niederlande mit einem rundumerneuerbaren Pavillon. Die Kultur- und Gründerszene in den Ballungsräumen des Landes gilt als innovativ, erneuerbare Energien und IT-basierte Transportwege gehören zu den meist diskutierten Themen. Von außen betrachtet liegt die Gleichberechtigung in der Bevölkerung bei 100 Prozent. Im Innern sieht es anders aus. Die Gesellschaft ist mit sozialen Spannungen konfrontiert. Unterschiede im Einkommen der Eltern, die sich auf die Bildungschancen der Kinder auswirken, kennzeichnen auch die Niederlande. Wie in Deutschland ist die Herkunft eines jungen Menschen Kriterium für sein berufliches Vorankommen. 

Die Jugendpolitik wird dezentral zwischen Nation und Region verhandelt und verantwortet. Sie ist in ihren Strukturen Deutschland vergleichbar, wo finanzielle und administrative Strukturen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene greifen. 


15 Prozent der Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund. Ihr Risiko, die Schule vorzeitig zu verlassen – vor Beendigung des 18. Lebensjahres, so lange gilt die Schulpflicht in den Niederlanden – dann arbeitslos zu werden und zu bleiben, ist doppelt so hoch (20 Prozent) wie bei den gleichaltrigen niederländischen Jugendlichen. Jugendkontore, die sich gezielt um Bildungs- und Ausbildungsangebote für junge Menschen kümmern, setzen sich dafür ein, die Quote herabzusetzen. Im Jugendkontor beraten jedoch Erwachsene, keine Gleichaltrigen. Trotzdem ist ihr Einsatz wirksam: Die Jugendarbeitslosigkeit geht stärker zurück als die Arbeitslosigkeit bei Älteren. Das Gros der Schulabgänger findet schnell eine Arbeitsstelle, 90 Prozent innerhalb eines Jahres. Allerdings geht etwa ein Viertel der Jugendlichen einer befristeten Arbeit nach. Zwei von drei Niederländern unter 25 Jahren absolvieren eine Ausbildung. Nur jede und jeder Dritte studiert, das bedingt die kostenpflichtige Hochschulausbildung.


Foto: Alex Proimos
Foto: Alex Proimos

Peer to peer wirkt der 2001 gegründete, Nationale Jugendrat (Dutch National Youth Council). Ihm gehören Jugendliche unterschiedlicher Vereine und Interessengruppen an, auch Studenten und Migranten. Sie bringen sich aktiv in ihren kommunalen Strukturen ein. Alle Mitglieder sind unter 30 Jahren. Einmal jährlich findet im Unterhaus des Parlaments eine Jugenddebatte statt, die vom Nationalen Jugendrat organisiert wird. In dieser Debatte diskutieren Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren, die über regionale Sitzungen gewählt werden, mit Politikern und Regierungsmitgliedern Themen, die sie vorgeben und für wichtig halten.


Das Pressenetzwerk für Jugendthemen startet 2016 eine spannende Partnerschaft zum westliche Nachbarland, die Journalisten und Fachkräfte auf Augenhöhe zusammenbringt und gegenseitig inspirieren wird.

 

Unser Partner: Duitsland Instituut Amsterdam

Das Duitsland Instituut Amsterdam (DIA), angeschlossen an die Universiteit van Amsterdam, ist das Kompetenzzentrum für das moderne Deutschland in den Niederlanden. Wir sind im Bereich der Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft tätig. Das DIA betrachtet Deutschland in einem europäischen Kontext und initiiert niederländisch-deutsche Netzwerke und Austausch. Unser Ziel ist es, das Wissen über Deutschland zu vergrößern und unter einem breiten Publikum zu verbreiten. Ein Team aus WissenschaftlerInnen, BildungsexpertInnen, RedakteurInnen und Organisationstalenten arbeitet ständig an der Entwicklung neuer Strategien um spezifische Zielgruppen zu erreichen.
 
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Das Programm wird mit Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes (kjp) gefördert, der über das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) verwaltet ist.