Niederlande

Neue Kooperation im Jahr Gedenkjahr 2015

Ja, wir wissen alle, was der 8. Mai für Deutschland bedeutet. An diesem Tag im Jahr 1945 trat die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Kraft und markierte das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.

 

Für viele Deutsche bedeutete der Tag damals natürlich den lange ersehnten Frieden. Mit der „Stunde Null“ kam aber auch der Zusammenbruch einer Idee, der die meisten Deutschen immerhin zwölf Jahre lang zugejubelt hatten. Kein Grund zur Freude also für das Gros der Landsleute, die in einem zerbombten Land in größter Not leben und sich eine neue Zukunft aufbauen mussten. Viele hatten geliebte Menschen verloren, viele waren erschüttert davon, dass in ihrem Namen die Welt in einen verheerenden Krieg gestürzt und sechs Millionen Juden, Hundertausende Sinti und Roma und Homosexuelle ermordet worden waren. Nein, für zu viele Deutsche war der 8. Mai kein Grund zum Jubeln, damals, 1945.

 

Ganz anders in vielen anderen Ländern der Erde, die von den Deutschen und ihren Verbündeten geknechtet, mit Krieg überzogen und der nationalsozialistischen Tyrannei ausgesetzt waren. Die Niederländer beispielsweise - und damit sind wir auch schon mitten im Thema - wollten die Befreiung von der Deutschen Besatzung durchaus feiern. Sie richteten dazu nach und nach ein System ein, das in Deutschland viel zu wenig Beachtung findet. Man gedenkt in einem zweiteiligen System des Kriegsendes und der Wiedererlangung der Freiheit.

Da sind auf der einen Seite am jeweils 4. Mai das Gedenken, das Erinnern, das Mahnen. „Niemals wieder“ ist auch in den Niederlanden ein Credo, und das wird durch beständiges fachbezogenes Unterrichten der Menschen im Land erreicht. Nicht der erhobene Zeigefinger und das Brandmarken der deutschen Unterdrücker steht an diesem Totengedenktag im Vordergrund sondern die Mahnung vor den Grauen des Krieges und das Erinnern an die über 100.000 ermordeten niederländischen Juden.

 

Da ist auf der anderen Seite aber auch das Feiern der Freiheit. Der „Bevrijdingsdag“ wird am 5. Mai begangen, dem Tag, an dem laut Wikipedia „der kanadische General Charles Foulkes und der deutsche Oberbefehlshaber Johannes Blaskowitz im Beisein des Prinzen Bernhard im Hotel De Wereld in Wageningen die Kapitulation der deutschen Truppen in den Niederlanden besiegelt haben.“ In allen zwölf Provinzhauptstädten des Landes finden Feierlichkeiten statt, die durch ein eigenständiges Organisationskomitee koordiniert werden.

 

Das Pressenetzwerk für Jugendthemen widmet dem Gedenkjahr 2015 zum 70. Jahrestag des Kriegsendes einiges Engagement. Das gilt nicht nur für unsere beiden Programme mit Israel, sondern das gilt auch den neu aufgelegten Programmen mit niederländischen Partnern.

 

Wir haben zu diesem deutsch-niederländischen Gedenk- und Feierjahr einen eigenen Blog eingerichtet, der über das Bundesfamilienministerium gefördert wird.  Auf voorvrijheid berichten wir über die vielen bilateralen Aktivitäten dieses Jahres. Dort stellen unsere neuen niederländischen Freunde ihre Texte und Fotos ein, und dort diskutieren wir, wie unterschiedlich man in Deutschland und in den Niederlanden bis heute mit dem Datum 8. Mai umgeht.

 

Vielleicht ist es auch an uns, hier ein Um- oder Weiterdenken einzuleiten. Vielleicht sollten wir uns endlich von der veralteten These frei machen, dass Deutschland am 8. Mai zusammen gebrochen ist und vielmehr dem Gedanken zuwenden, dass auch unser Land befreit wurde? Angestoßen hatte diese These schon Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Jahr 1985, als er den 8. Mai als „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bezeichnete.

 

Wir haben im Lauf der gemeinsamen Veranstaltungen mit unseren neuen niederländischen Partnern und Freunden und Kollegen viele Fragen aufgeworfen, viele Antworten gefunden und viel von einander gelernt. Der oben schon erwähnte Blog führt viele dieser Themen und viele Informationen zusammen. Eine eigene online-Zeitung "Journal voor vrijheid" bringt die wichtigsten Aspekte - zweisprachig - auf den Punkt und lädt zum Blättern und Nachlesen ein.

 

Diskutiert mit, und nehmt teil an unseren weiteren Aktivitäten, die wir im laufenden Jahr durchführen: Dazu zählen ein Videoworkshop für junge Medieninteressierte und ein Medienworkshop im Rahmen der Jugendmedientage 2015 in Bonn.

 

Alle unsere Aktivitäten im Programmjahr werden gefördert über den Kinder- und Jugendplan des Bundes (kjp) im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ...

... und über das niederländische Nationaal Comité 4 en 5 mei