Togo - Bericht der Klimaschützerin Kaossara Sani

„Ich schaue auf die Vereinten Nationen und hoffe, die tun was“

Kaossara Sani
Kaossara Sani

Mein Name ist Kaossara Sani, ich lebe in Lomé, der Hauptstadt von Togo, und arbeite dort für Amnesty International Togo und für eine NGO im Klimaschutz. Zuhause bleiben kann ich nicht, auch nicht in Zeiten der Pandemie. Es gibt so viel zu tun und ich finde es gut, wenn ich nützlich sein kann. Meine normale Tätigkeit habe ich hintenangestellt und organisiere nun Freiwilligenteams, mit denen wir Lebensmittel oder Schutzausrüstung verteilen. Die Ausgangssperren gelten nach wie vor, die Verunsicherung der Menschen ist groß. Schulen sind geschlossen. Home Schooling gibt es nicht, dafür ist unser Land nicht ausgerüstet. An sich fände ich das eine gute Sache, aber die digitale Infrastruktur müsste erst mal geschaffen werden.

Mich stört am meisten die Vehemenz, mit der Polizisten die Einhaltung der Ausgangssperren durchsetzen. Die schrecken auch nicht davor zurück, Menschen zu schlagen, wenn sie widersprechen. Das ist ein Problem in ganz Afrika, die gewaltsame Durchsetzung der Covid-19-Maßnahmen.

Jüngst habe ich geholfen, Suppe an Bedürftige auszuteilen, 1080 Portionen haben wir gekocht und den Leuten gebracht. Das muss alles mit Schutzausrüstung passieren und möglichst kontaktlos. Aber es ist schwierig. Deshalb sprechen wir mit den Menschen auch immer über die Hygieneregeln. Besonders kompliziert ist es, in der ärmeren Bevölkerung auf deren Einhaltung zu achten. Die Armen werden durch Covid-19 noch mehr zurückgelassen. Ich fürchte, das ist weltweit so.

Togolesen mit geringem Einkommen müssen in jedem Fall weiterarbeiten. Sie können nicht zu Hause bleiben, denn ohne Einkommen haben sie kein Auskommen. Sie müssen ihre Familien ernähren. Unsere Regierung hat ein Programm zur Unterstützung sozial Schwacher aufgelegt, aber die Maßnahmen und die Mittel reichen nie und nimmer, um allen zu helfen. 

Das wichtigste ist, nicht den Mut zu verlieren! Diesen Appell richte ich besonders an junge Leute, denn sie sind idealistisch und können andere inspirieren! Ich versuche, im Rahmen meiner Arbeit informiert zu bleiben, wie andere Länder mit der Pandemie umgehen und welche Strategien und Vorschläge sie für die Zeit danach haben. Ich schaue auf die Vereinten Nationen und hoffe, die tun was. Das ist doch die Institution, die sich um das Vorankommen der Staatengemeinschaft bemühen soll. Gerade jetzt. Leise zu sein, ist keine Option.


2021 möchte ich nicht nur über mein Land, sondern über die Welt allgemein lesen: „Wir haben aus der Pandemie gelernt. Wir strengen uns an für eine gerechtere Welt, in der Würde endlich mal mehr gilt als der Profit.“

 

Redaktionelle Bearbeitung durch Dr. Tanja Kasischke